Grenzenlos glücklich! | 14.09.2019

Praktizierte Inklusion im Rahmen einer Erasmus+ Mobilität dreier Schulklassen auf gemeinsamer Erlebnis-, Kennenlern-, Arbeits- und Inklusions-Fahrt nach Juchowo/Polen

„….. Was ich mit – besser gesagt von – den Menschen gelernt habe: Sie sind trotz ihrer Behinderung glücklich und schätzen das Leben sehr…“ Emir

„ ….Als ich dann in die Küche kam stand da Mateo (Förderschüler Geistige Entwicklung)  hinter mir und fragte mich als Einziger, ob er mir helfen solle, na ja auf jeden Fall, … ich habe eine sehr interessante halbe Stunde mit ihm verbracht, und ich glaube, dass ich mit anderen Menschen nicht wirklich schneller gewesen wäre und wahrscheinlich auch nicht mit so viel Spaß …“ Simon

„.. So wie ein Baum seine ganzen unterschiedlichen Blätter hat oder seine unterschiedlichen Farben oder Formen, aber sie gehören alle zum selben Baum. Natürlich haben wir alle andere Gedanken und Ideale aber wir sollten vor unbekannten Sachen und Erwartungen trotzdem bereit sein, uns auf neue Menschen einzulassen…“ Erol

Die Emil Molt Akademie und die Parzival-Schule aus Berlin haben in diesem Jahr gemeinsam an einem Ersmus+Projekt teilgenommen. Das Rudolf Steiner Bildungszentrums hat mit dem Erasmus+Projekt (GEKA) den berufsbildenden und den förderpädagogischen Schüler*innen (Klassenstufe 10/11) dieser beiden Einrichtungen in diesem Spätsommer bereits zum zweiten Mal die Interdependenz von sozialen und wirtschaftlichen Tätigkeitsfeldern der Arbeitswelt erfahrbar gemacht. Der Leitspruch der EMA (einer berufsbildenden Waldorfakademie) lautet: „Wirtschaft verstehen, um sozial handeln zu können / Sozial handeln können, um Wirtschaft zu verstehen“ Die gegenseitige Bedingtheit von wirtschaftlicher, sozialer und auch ökologischer Vernunft ist in den beteiligten Berufsbildungsgängen der Sozialassistenz (SAS) und der kaufmännischen Assistenz (KAS) und auch in der Berufsvorbereitung der Klassenstufe 10 der Parzival-Schule gleichermaßen sehr wichtig. Daher haben alle im Jahr 2019 ihre Ausbildung beginnenden Schüler*innen der SAS und der KAS sowie auch die Schüler*innen (mit Lernbehinderung) der Parzival-Schule gemeinsam den Sinn sozial und ökologisch nachhaltigen (Land-) Wirtschaftens als tätige Menschen kennengelernt; besser noch (mit-)erlebt – daher Erlebnisfahrt. Das geschieht an Waldorfschulen idealerweise dadurch, dass Schüler*innen gemeinsam mit anderen Menschen ins Tun kommen – daher (Mit-)Arbeitsfahrt. Sie sollten außerdem Zeit haben, um sich als Schüler*innen der EMA und der Parzival-Schule gegenseitig und klassenübergreifend kennenzulernen – daher Kennenlernfahrt. Es war dabei wichtig, dass die gesamten Klassen KAS, SAS (der EMA Rudolf-Steiner-Bildungszentrum) und Klasse 10 (der Parzival-Schule) am Projekt teilnehmen, um das gegenseitige Kennenlernen junger Menschen verschiedener Klassen (mit Behinderung und ohne) in aller Dynamik zu ermöglichen. Alle Schüler*innen sollten somit zu Beginn ihrer Berufsvorbereitung in bunte Gruppen gemischt/inkludiert die Möglichkeit bekommen, in für soziale und (land-)wirtschaftliche Berufe relevanten Bereichen Kurzzeitpraktikums- und Workshop-Erfahrungen sammeln sowie am schulischen fachpraktischen Unterricht (FPU) teilnehmen zu können.

Primäres Ziel der GEKA-Fahrt war die Ermöglichung von Inklusion an einem gemeinsamen Ort. Der bio-dynamisch wirtschaftende Juchowo-Hof (Demeter) mit seiner intakten Gemeinschaft ist dafür ideal. Es kam dabei zu vorurteilsfreien und unvoreingenommen Begegnungen zwischen Menschen unterschiedlichster Herkunft und Art (Menschen mit Behinderung, Geflüchteten, Lauten, Schnellen, Kleinen, Großen…), wobei die Stärkung von Fähigkeiten, Kenntnissen und Kompetenzen, die für die
Ausübung eines Berufes notwendig sind ebenso im Mittelpunkt standen wie die sozialen Fähigkeiten und Kompetenzen. Das pädagogische Begleitpersonal der beiden Waldorfschulen aus Berlin hat die
Schüler*innen wochentags in abendlichen fachpraktischen Unterrichtseinheiten (FPU) zur Reflexion des Erlebten/Erfahrenen animiert. Es ging dabei um die Verknüpfung von praktisch erlangter sozialer und fachlicher Kompetenz der Schüler*innen mit ihren Vorstellungen einer beruflichen Tätigkeit in einer durch Diversität reich und bunt erlebten Welt. Die zwölftägige Mobilität sollte auch die Gemeinschaft der 21 Schüler*innen und ihre Bereitschaft, gut miteinander umzugehen, stärken. Dies erfolgte durch die gemeinsamen Arbeitseinsätze sowie durch das spielerische Erleben und Kennenlernen ganz von selbst. Die Arbeit umfasste dafür sowohl wirtschaftliche als auch Aspekte der Haushaltsführung und der sozialen Arbeit (z.B. muss auch das gemeinsame Essen geplant und produziert werden).

Morgenkreis in Juchowo

Neben den Arbeitseinsätzen in gemischten und rotierenden Gruppen fanden an Nachmittagen ebenso gemischte und durch das Gastgeberland Polen und die Europaregion Pomerania inspirierte kulturelle Veranstaltungen, Workshops oder fachpraktischer Unterricht (FPU) statt. Für die Ausbildung der SAS und der KAS sowie für die Berufsvorbereitung in der Förderpädagogik ist Fachpraxis wichtig: Fachpraktische Auslandserfahrungen gelten hierbei als wertvoller Baustein im Lebenslauf und erhöhen die Chancen auf dem nationalen/internationalen Arbeitsmarkt, Beschäftigung zu finden oder weitere Bildungswege einzuschlagen.